Comic ist Kunst und zwar die Neunte

Foto: Kim-Julien Rathjen

Oldenburg. Superman trifft Donald Duck. Das Oldenburger Stadtmuseum, das Horst-Janssen-Museum und das Edith-Russ-Haus für Medienkunst widmen den Kindheitshelden eine große Kooperationsausstellung mit dem Namen „Die Neunte Kunst“.

Wilhelm Busch als Vorläufer des Comics

Der Begriff „Neunte Kunst“ geht unter anderem auf den Franzosen Francis Lacassin zurück, der in den 70er Jahren die Comics – neben den bereits anerkannten Kategorien: Architektur, Musik, Malerei, Bildhauerei, Literatur, Tanz, Film und Fernsehen – als neunte Kunstform etablierte. „Eine Würdigung der hervorragenden Arbeit der Zeichner“, erklärt Museumsleiter des Stadtmuseums, Dr. Andreas von Seggern, dessen Haus sich ganz der Geschichte des Comics verschrieben hat. So gilt bereits Wilhelm Busch mit seinen Bildergeschichten von zum Beispiel Max und Moritz als direkter Vorläufer des heutigen Comics.

Originale kaum noch bezahlbar

Weiter finden sich im Stadtmuseum dank eines privaten Sammlers aus Oldenburg einige Originale von Carl Barks, der unter Disney für seine Werke zu den Bewohnern von Entenhausen weltweit berühmt wurde. Dafür ist Dr. Andreas von Seggern besonders dankbar, da Originale heutzutage kaum noch bezahlbar seien. Grund dafür sei die Popularität des Mediums, das mittlerweile sogar auf dem Kunstmarkt für horrende Preise sorge. Ein weiterer Beleg ist die Versteigerung des „Action Comic No. 1“. Dieses Heft enthält den ersten Auftritt von Superman und kostete bei der Veröffentlichung im Jahr 1938 lediglich 10 Cent. 2014 wurde es bei Ebay für 3,2 Millionen Dollar verkauft.

Dr. Jutta Moster-Hoos vom Horst-Janssen-Museum lädt zu der Ausstellung ein. (Foto: Kim-Julien Rathjen)

Mangas aus Japan

Aus Kapazitätsgründen konzentriert sich das Stadtmuseum auf westliche Regionen wie den franko-belgischen Raum und die USA. Allerdings finden auch die Genre-Kollegen aus dem Osten einen Platz. Der japanische Begriff „Manga“ ist mittlerweile der anerkannte Begriff für Comics aus Japan, die seit den späten 90er Jahren auch in Europa weit verbreitet sind: Fast 75 Prozent aller heute in Deutschland verkauften Comics sind Manga, „daher hat Manga eigentlich eine eigene Ausstellung verdient“, so der Museumsleiter.

Comicsprache im Alltag

Neben den Ursprüngen visualisiert die Ausstellung weitere Schwerpunkte wie die zielgerichtete Vermarktung durch Merchandising-Artikel und die Wirkungsmacht im Hinblick auf zeichnerische Techniken und sprachliche Muster. Im letzteren Bereich hat sich eine besondere Form der Lautmalerei durchgesetzt. Begriffe wie „seufz“ oder „keuch“ beispielsweise stammen von der deutschen Disney-Übersetzerin Erika Fuchs und haben die Szene sehr geprägt. Hierbei redet man scherzhaft auch vom „Erikativ“ – eine von vielen Beispielen, in denen die Comicsprache es teilweise in den allgemeinen Sprachgebrauch geschafft hat.

Das Horst-Janssen-Museum stellt aktuelle deutsche Graphic Novels von 13 national wie international ausgezeichneten Zeichnerinnen und Zeichnern aus. Diese im Buchformat erscheinenden Comicromane richten sich meist an Erwachsene, indem sie anspruchsvollere Themen und Texte mit den Stilmitteln des Comics verbinden. „Dabei stehen vor allem die Originalzeichnungen und die Vorgeschichte der Bücher im Fokus“, erklärt Museumsleiterin Dr. Jutta Moster-Hoos. Eine ihrer Lieblingsausstellungsstücke kommt von Anna Haifisch, die ihre erste Graphic Novel „Von Spatz“ 2015 veröffentlichte: „So ein lapidarer Strich transportiert hier so viel.“

Dr. Andreas von Seggern vom Stadtmuseum begutachtet die ausgestellten Werke. (Foto: Kim-Julien Rathjen)

Unbekannte Galaxie

Das Edith-Russ-Haus grenzt sich mit „Unwanted Stories“ etwas von den Häusern zuvor ab. Hier gibt es nur noch wenig klassische Comic-Kunst zusehen, stattdessen regieren hier davon inspirierte filmische Animationen und Computerspiele. So kann der Besucher in dem Spiel „Mountain“ von David OReilly als Berg durch eine unbekannte Galaxie schweben oder in dem Film „Another Planet“ von Amir Yatziv Auschwitz als Minecraft-Nachbau erleben. Während zur Zeit darüber diskutiert wird, ob Computerspiele als 10. Kunst nach den Comics etabliert werden sollen, hinterfrage die Gegenwartskunst, die hier ausgestellt wird, die festen Grenzen zwischen den Künsten, so Milica Vlajkovic vom Vermittlungsteam des Edith-Russ-Haus.

„Die Geschichte des Comics“ findet noch bis zum 2. April im Stadtmuseum Oldenburg statt, „Aktuelle deutsche Graphic Novels“ im Horst-Janssen-Museum bis zum 6. Mai und „Unwanted Stories“ im Edith-Russ-Haus bis zum 1. April.

Text & Fotos: Kim-Julien Rathjen