Drei Häuser zeigen „Die Neunte Kunst“

Bee at the beach, 1950 © dpa picture alliance

Oldenburg. Unter dem Titel „Die Neunte Kunst“ gibt es erstmalig eine große Kooperationsausstellung im Stadtmuseum Oldenburg, im Horst-Janssen-Museum und im Edith-Russ-Haus für Medienkunst. Zum Jahresbeginn 2018 widmen sich die städtischen Häuser aus ganz unterschiedlichen Perspektiven dem Thema Graphic Novels, also Grafischen Erzählungen, die mit ihrer Verbindung von Text- und Bildelementen zur sogenannten Neunten Kunst zählen. „In dieser Kooperation bauen wir auf die Stärken unserer Häuser auf und bieten unseren Besucherinnen und Besuchern vielfältige Einblicke in die Neunte Kunst“, so Dr. Nicole Deufel, Leiterin des Amtes für Museen, Sammlungen und Kunsthäuser der Stadt Oldenburg. „Das in Museen weniger bekannte Thema soll neue Besuchergruppen ansprechen und Stammbesucher eines Hauses inspirieren, eines der anderen Häuser zu besuchen.“ Dazu beitragen soll auch ein vielfältiges Rahmenprogramm, das die Ausstellungen begleiten wird.

Graphic Novels behandeln eine ganze Bandbreite an Themen und nehmen ganz unterschiedliche Formen an. Dieser Vielfalt, aber auch der Wirkungsmacht sowie der Reflexion und Rezeption des Mediums nimmt sich die Kooperationsausstellung an. Die drei Museen entwickeln das Thema dabei in einer Art Zeitleiste: Das Stadtmuseum zeigt die Geschichte des Comics bis hin zur Entstehung der Graphic Novels sowohl chronologisch als auch länderspezifisch auf. Das Horst-Janssen-Museum konzentriert sich auf das Medium Graphic Novels und nimmt die deutschen Künstlerinnen und Künstler mit ihren aktuellen variationsreichen Arbeiten in den Blick. Das Edith-Russ-Haus beginnt mit Graphic Novels und geht über zu den neuen internationalen Adaptionen in Videokunst und Computerspielen.

„Die Geschichte des Comics“ vom 3. Februar bis 2. April im Stadtmuseum Oldenburg

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts ist der Comic zu einer eigenen Kunstform geworden. „Comics sprechen nicht nur Kinder und Jugendliche an, sondern sind mittlerweile ein generationenübergreifend rezipiertes Medium, das sich in jüngster Zeit durch den Erfolg der Graphic Novel künstlerisch entscheidend weiterentwickelt hat“, sagt Museumsleiter Dr. Andreas von Seggern. Das Stadtmuseum nimmt daher die Kultur- und Wirkungsgeschichte des Comics in den Blick.

Im Zentrum steht die Visualisierung der Geschichte des Comics und dessen Erzählstruktur anhand exemplarisch ausgewählter Objekte, von der Originalzeichnung zum gedruckten Heft. Darüber hinaus widmet sich ein Themenschwerpunkt der Wirkungsmacht der Bildgeschichten im Hinblick auf sprachliche Muster und zeichnerische Techniken. Ergänzend zeigen Merchandising-Artikel die zielgerichtete Vermarktung und Popularisierung ausgewählter Comics und ihrer Hauptfiguren. Auszüge aus frühen Comicverfilmungen sowie Dokumentationen über die Arbeit am Sujet, etwa in den Disney-Studios, vermitteln den Besucherinnen und Besuchern einen vertieften Einblick in ästhetische wie kommerzielle Verwertungsformen des Comics.

Künstlerinnen und Künstler: Wilhelm Busch, Rudolf Töpffer, Carls Barks, Hansrudi Wäscher, Will Eisner

Eröffnung: Freitag, 2. Februar, um 19 Uhr gemeinsam mit dem Horst-Janssen-Museum

„Aktuelle deutsche Graphic Novels“ vom 3. Februar bis 6. Mai im Horst-Janssen-Museum

13 zeitgenössische, national wie international ausgezeichnete Comiczeichnerinnen und -zeichner aus Deutschland zeigen im Horst-Janssen-Museum ihre neuesten Arbeiten. Den Auftakt dazu bilden die Zeichnungen des deutschen Graphic Novel-Pioniers Hans Hillmann. „In der Schau geht es nicht in erster Linie um die Comic-Prints und die Bücher selbst“, sagt Museumsleiterin Dr. Jutta Moster-Hoos und erläutert: „Vielmehr sollen die Originalzeichnungen und die Vorgeschichte der Bücher im Fokus stehen. Die Besucher können studieren, wie individuell die Künstlerinnen und Künstler an ihre Projekte herangehen, wie verschiedenartig ihre Gestaltungsmittel, ihre Handschriften, Erzählweisen und technischen Verfahren sind.“

Die ausgestellten Graphic Novels sind nicht nur stilistisch vielgestaltig, sondern auch thematisch breit aufgestellt. Die Geschichten erzählen von einschneidenden Erfahrungen aller Art, von Alltagsdramen und persönlichen Traumata. Katastrophen im Kleinen sind mit weltpolitischen Erschütterungen verstrickt. Geschichtliche Ereignisse sind gleichermaßen Gegenstand wie aktuell Gesellschaftspolitisches. Neben autobiografischen Stoffen und Biografien finden sich Auseinandersetzungen mit Klassikern der Weltliteratur oder auch Comics, die als Reportagen angelegt sind.

Künstlerinnen und Künstler: Anke Feuchtenberger, Anna Haifisch, Barbara Yelin, Birgit Weyhe, Felix Pestemer, Hans Hillmann, Isabel Kreitz, Jakob Hinrichs, Lukas Jüliger, Max Baitinger, Olivier Kugler, Reinhard Kleist, Simon Schwartz, Ulli Lust

Eröffnung: Freitag, 2. Februar, um 19 Uhr gemeinsam mit dem Stadtmuseum

„Unwanted Stories“ vom 1. Februar bis 1. April im Edith-Russ-Haus für Medienkunst

„Die Neunte Kunst – Unwanted Stories“ ist eine internationale Gruppenausstellung zeitgenössischer Kunst, die von der Graphic Novel ausgeht. „Diese oftmals düster anmutenden, gezeichneten Romane erzählen Geschichten, die sonst nicht in Bildern erzählt werden können, weil es von ihnen keine Bilder gibt“, erklärt Marcel Schwierin, Leiter des Edith-Russ-Hauses.

Die Ausstellung umfasst echte Graphic Novels, großformatige Wandzeichnungen, grafische Reportage und filmische Animationen bis hin zu den nie endenden Erzählungen im Computerspiel. Verhandelt werden klassische Themen der Graphic Novel wie psychologische Erzählungen oder Science-Fiction ebenso wie politische, aber bilderlose Themen, wie zeitgenössische Sklaverei oder die digitale Rekonstruktion von Ausschwitz. Dabei wird immer auch das Medium an sich reflektiert. „Die Werke bedienen sich der suggestiven Kraft der populären grafischen Erzählung. Im gleichen Atemzug dekonstruieren sie sie, indem die Künstlerinnen und Künstler bewusst einfache Techniken einsetzen und sich damit der glänzenden Hightech aktueller Computeranimationen verweigern. So entstehen eigentümliche, nie gesehene Welten, die im Kopf des Betrachters noch lange weiterleben“, so Marcel Schwierin.

Künstlerinnen und Künstler: Wojciech Bąkowski (Polen), Ganzeer (Ägypten), Viktoria Lomasko (Russland), David OReilly (Irland), Amir Yatziv (Israel)

Eröffnung: Mittwoch, 31. Januar, um 19 Uhr