Ein Jahr lang etwas Gutes tun

Auf der Messe der AOK können sich Interessierte bei den jeweiligen Anbietern über das FSJ informieren. (Foto: Jesco von Moorhausen)

Den Schulabschluss in der Tasche, aber wie soll es weiter gehen? Sicherlich kann eine Ausbildung oder Studium folgen. Wer eine Alternative dazu sucht, sollte über ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) nachdenken. Die AOK in Oldenburg lädt einmal im Jahr zu einer großen Messe zu diesem Thema ein. Viele bekannte aber auch unbekanntere Anbieter, bei denen ein FSJ möglich ist, stellen sich hier vor. Vor ein paar Wochen fand die Veranstaltung wieder statt. AQuadrat hat sich einmal umgeschaut und mit Jugendlichen gesprochen, die diesen Weg einschlagen wollen.

Arbeiten im Frauenhaus

„Ich möchte mich hier zunächst einmal orientieren“, erzählt Fenja Schulze aus Ganderkesee. Derzeit besucht sie die 11. Klasse und möchte nach dem Abitur ein FSJ machen. Ihre Schwester hat es bei der Diakonie gemacht und war begeistert. Das hat Fenja dazu bewogen, ebenso mit dem Gedanken zu spielen. „Ich finde das toll und möchte das unterstützen“, erklärt Fenjas Mutter Katrin Schulze, die an dem Ausstellungstag der AOK ihre Tochter begleitet. Und ein wenig hat sich Fenja auch schon festgelegt. „Ich würde gerne im Frauenhaus oder ähnliches arbeiten.“

Fenja Schulze hat schon genauere Vorstellungen vom FSJ. (Foto: Jesco von Moorhausen)

Sich erst einmal orientieren

Sich früh zu informieren hat sich Enrica Hüssing vorgenommen. Die 17jährige Schülerin von der Liebfrauenschule Oldenburg weiß, dass das Abitur stressig genug wird. „Dann hat man keine Zeit mehr dafür und die Planung versickert nach dem Schulabschluss“, befürchtet auch ihre 16jährige Freundin Charlette Holthaus. Auch sie geht in die 11. Klasse der Liebfrauenschule. Beide zusammen haben sich aber noch nicht entschieden, ob sie ein FSJ wirklich machen möchten. „Eigentlich ist mir das ein wenig zu lang“, befürchtet Enrica. Ihre Freundin Charlette sieht im FSJ eine Pause vom Schulalltag. „Das ist glaube ich ganz gut nach dem ganzen Schulstress“, nimmt sie an. Sie würde gerne mit jugendlichen Flüchtlingen und Kindern arbeiten. Das passt zu ihrem späteren Berufswunsch. „Ich möchte gerne etwas mit Sprachen machen“, plant Charlette, die für ihr FSJ auch nicht unbedingt in Oldenburg bleiben muss. „Bisschen rauskommen ist doch ganz schön.“ Enrica hat sich noch nicht so festgelegt. „Ich schaue mir noch so einiges an, bevor ich mich entscheide“, sagt die 17jährige Oldenburgerin.

Damit Vergangenheit eine Zukunft hat

Die Auswahl, wo jemand sein FSJ machen möchte, ist recht groß. DRK, Malteser, Johanniter, Paritätischer, Denkmalpflege oder auch Freiwilligendienst im Sport sind nur einige Anlaufpunkte für Jugendliche, die ein Jahr lang etwas Soziales leisten möchten. Für einen noch nicht allzu bekannten Bereich hat sich Vincent Güdde entschieden. Der 18jährige Denkmalpfleger ist handwerklich begabt und wollte diese Fähigkeit in einem FSJ mit einbringen. Seit dem 1. September 2017 reist er nun durch Niedersachsen und pflegt Denkmäler – auch in Oldenburg. „Wir haben zum Beispiel die historische Mauer im Schlossgarten restauriert“, berichtet er stolz. Ihm gefällt der Gedanke, ein Teil von Geschichte zu erhalten. Ganz nach dem Motto „Vergangenheit eine Zukunft geben“ ist auch Lennart Picht dabei. Er genießt die praktische Arbeit bei der Denkmalpflege und fühlt sich im Team sehr wohl. Insgesamt leisten hier 24 FSJler ein Jahr lang ihren Dienst. Kleines Manko: Mittlerweile ist die Denkmalpflege kein Geheimtipp mehr und somit haben sich lange Wartelisten gebildet.

Enrica Hüssing und Charlette Holthaus möchten sich erst einmal orientieren. (Foto: Jesco von Moorhausen)

Wer kann ein FSJ machen?

Das FSJ wird für Jugendliche und junge Erwachsene in ganz Deutschland angeboten. Wer die Vollzeitschulpflicht erfüllt hat, kann diesen Freiwilligendienst antreten. Er darf aber noch nicht das 27. Lebensjahr vollendet haben, also den 27. Geburtstag noch nicht gefeiert haben. Das FSJ wird auf Länderebene geregelt. Neben dem FSJ gibt es auf Bundesebene den Bundesfreiwilligendienst (BFD). Er füllt die Lücke, die der ausgelaufene Zivildienst hinterlassen hat. Jener ist auch älteren Menschen zugänglich.

Wie wird ein FSJ vergütet?

Im FSJ gibt es zudem eine kleine finanzielle Vergütung, die als „Taschengeld“ bezeichnet wird. Zu diesem Verdienst kommt die Verpflegung, Unterkunft und die Fahrtkostenerstattung hinzu. Die Höhe der finanziellen Vergütung ist von Anbieter zu Anbieter verschieden. Unterschiede nicht unerheblicher Art gibt es auch häufig bei den Einsatzstellen desselben Trägers. Falls eine Unterkunft und die Verpflegung nicht gestellt werden, dann wird beides finanziell vergütet. Bestimmte Einsatzstellen, etwa Kindergärten, sind nicht verpflichtet, eine Unterkunft zu bieten. Folglich müssen sie auch keine Abgeltung zahlen.

Kann ich ein FSJ im Ausland machen?

Ein FSJ ist ebenfalls im Ausland möglich. Allerdings fördert der Bund seit der Aussetzung der Wehrpflicht das FSJ im Ausland nicht mehr finanziell. Bis zu diesem Zeitpunkt war es zudem möglich, das FSJ Ausland als Wehrersatzdienst zu absolvieren. Seither hat das FSJ im Ausland als Rechtsform stark an Bedeutung eingebüßt und ist praktisch bedeutungslos geworden. Stattdessen hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend den Internationalen Jugendfreiwilligendienst als Ersatz für das FSJ im Ausland eingerichtet. Der Begriff FSJ im Ausland wird nichtsdestotrotz in der Umgangssprache als Synonym für einen Freiwilligendienst im Ausland genutzt.
Wer mehr über das FSJ erfahren möchte, kann sich auf der Homepage www.bundes-freiwilligendienst.de informieren.