Eine Huldigung an Star Wars

Tobias Wehrhahn und sein Sohn sind stolz auf ihr besonderes Auto. (Foto: Jesco von Moorhausen)

Wer sich ein neues Auto kauft, steht vor der Qual der Wahl. Welche Ausstattung sollte er haben, welche Extras und vor allem welche Farbe. Zumindest im letzten Punkt hat Tobias Wehrhahn aus Diekmannshausen bei Varel einen sehr mutigen Weg gewählt. Er ließ einen Airbrush-Künstler an den Lack.

Kostenvoranschlag zu hoch

„Ich hatte oben über der Fahrerscheibe aufgrund eines Steinschlages einen hässlichen Kratzer bekommen“, ärgerte sich Tobias Wehrhahn, als er den Toyota Corolla, einen typischen Familienwagen, bekommen hatte. Er suchte die Werkstatt auf und sie gab ihm einen Kostenvoranschlag über rund 1.500 Euro. „Ich habe mich wirklich gefragt, ob die noch ganz dicht sind“, erinnert sich der 45Jährige empört. Dafür könne er doch gleich den ganzen Wagen lackieren lassen, spielte er mit der Idee. Der Zufall wollte es, dass er just ein paar Tage vorher einen Flyer von einer Airbrush-Firma in der Hand hielt, an die er sich nun erinnerte. „Nachfragen schadet ja nichts“, dachte er sich und fuhr mit seinem Sohn Kevin zu dieser Firma.

Sohnemann kommt auf die Idee

Tobias Wehrhahn hörte interessiert zu und erfuhr, dass im Grunde alle Motive möglich sind. Aber was solle er nur wählen? Sein Sohn Kevin spielte während des Gespräches mit einem Gameboy ein Star Wars Spiel. Als sein Vater ihn fragte, was er gerne mögen würde, antwortete er mit der beliebten Science Fiktion Welt rund um Darth Vader und Luke Skywalker. Der Lackierer bekam zudem große Augen und gab zu, dass er selbst ein begeisterter Star Wars Fan ist. Tobias Wehrhahn bekam ein Angebot, was nur 500 Euro mehr war, als das von der Werkstatt. „Dafür bekomme ich aber auch ein komplett individuelles Design“, begründete er seine Entscheidung. Nur das Dach sollte so bleiben, wie es ist.

Aufwendig wurde die Karosserie mit Airbrush-Technik lackiert. (Foto: Jesco von Moorhausen)

Ein Ewok auf dem Handschuhfach

Nach einer Woche Arbeit staunte Tobias Wehrhahn nicht schlecht, als er seinen Familienbomber sah. Nur das Dach in der Originalfarbe passte jetzt gar nicht mehr. „Ich legte einfach noch etwas drauf und so wurde es gleich mitgemacht“, erklärt der Familienvater. Seine beiden Söhne Kevin und Luke waren komplett aus dem Häuschen. Papas Auto glich nun einem Star Wars Raumschiff mit all den beliebten Figuren – darunter R2D2, C3PO, Darth Vader, Luke Skywalker, Chubaka und viele mehr. Als kleines Schmankerl sprühte der Künstler einen Ewok auf das Handschuhfach.

Ein Jahr, nachdem die Lackierung fertig gestellt war, passierte Tobias Wehrhahn ein Missgeschick. „Ich touchierte eine Leitplanke“, ärgert er sich heute noch. Drei Streifen an der Seite zogen sich nun durch das Airbrush-Kunstwerk. Das konnte natürlich nicht so bleiben. Also musste der Künstler noch einmal ran und erweiterte die Lackierung. „Er wurde leider nicht ganz fertig“, zeigt der gebürtige Hameler auf eine kleine Stelle im Lack, der auf den ersten Blick nicht auffällt. Der Sohn des Airbrush-Künstler wurde in der Zeit von einem LKW angefahren und lag im Koma. „Ich hoffe, es geht ihm wieder gut“, wünscht sich Tobias Wehrhahn, der nicht darauf besteht, dass das Werk beendet werden muss. „Der gute Mann hat jetzt ganz andere Probleme“, zeigt der 45jährige Familienvater viel Verständnis für die schrecklich Lage des Künstlers.

Wenn Tobias Wehrhahn durch die Straßen fährt, erregt er Aufmerksamkeit – viel Aufmerksamkeit. „Da kann es auch schon mal zu Missverständnissen kommen“, erzählt er von einem Vorfall. So musste er eines Tages zu einem Kinderarzt und fand direkt vor der Praxis keinen Parkplatz. Also suchte sich Tobias Wehrhahn eine Standmöglichkeit einige Ecken weiter. „Was ich nicht wusste, ist, dass ich direkt vor einem Puff geparkt habe“, lacht er. Einige Freunde erblickten sein Auto dort und zogen ihn nun kräftig auf.
Ein anderes Erlebnis gab es auf dem Parkplatz des Jaderberger Zoos. In dem Moment, wo er einparkte, kamen zahlreiche Schulkinder aus dem Zoo heraus, die gleich alle anfingen zu fotografieren und sich begeistert äußerten. „Ich finde es schön, wenn ich anderen damit eine Freude mache“, so Tobias Wehrhahn, der sich auch noch an eine etwas gefährlichere Situation erinnert. Er war auf der Autobahn unterwegs, als von hinten ein Sportwagen angeschossen kam. „Der hatte bestimmt 250 Sachen drauf“, schätzt er ein. Als er gerade vorbei schoss, stieg der Sportwagenfahrer in die Eisen und ließ sich auf gleiche Höhe zurück fallen. Tobias Wehrhahn schaute herüber und sah den Fahrer ein Foto von ihm knipsen, bekam als Anerkennung auch noch einen Daumen hoch. Dann schoss der Sportwagen wieder davon. „Solche Aktionen sind zwar auf den ersten Blick lustig, aber auch gefährlich“, mahnt Tobias Wehrhahn.
Einheitsbrei auf den Straßen

Beruflich fährt Tobias Wehrhahn genau das Gegenteil seines Autos. Der Taxifahrer aus Brake bewegt ein Fahrzeug, was es so tausendfach gibt. Daher sei der Umstieg in sein Privatfahrzeug eine willkommene Abwechslung. „Natürlich werde ich von vielen Mitbürgern auf das Auto angesprochen“, erzählt er. Alle fänden es richtig klasse, selbst würden sie es aber nicht wagen, ihr Auto so darzustellen. Das findet Tobias Wehrhahn ein wenig schade, denn der Einheitsbrei auf den Straßen ist langweilig. „Ich habe keine Ahnung, ob ich diesen Wagen überhaupt einmal verkaufen möchte oder ob ich ihn überhaupt verkaufen kann“, befürchtet Tobias Wehrhahn, denn so etwas Spezielles hat es schwer auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Da müsse schon ein Star Wars Fan um die Ecke kommen. Vorteil ist aber, dass der Toyota mit LPG fährt. Das macht wiederum den Kauf attraktiv.
Tobias Wehrhahn bereut die Gestaltung seines Autos nicht. „Ich würde es sogar mit einem anderen Wagen wieder tun“, so der Taxifahrer. Doch dann mit anderen Motiven, wie „Herr der Ringe“ oder „James Bond“.