FACE-Projekt zaubert ein Lächeln

v.l.: Prof. Dr. Erhard Hölzle, Dr. Dr. Eva Gudewer, PD Dr. Dr. Lei Li . (Foto: ASB-Klinik)

Oldenburg. Große Menschenmengen sammeln sich im Flur, im Wartebereich und auf dem Freigelände – alle voller Hoffnung. Sehnsüchtig wird das Team von Privatdozent Dr. Dr. Lei Li, Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und Plastische Operationen (MKGKlinik) am Klinikum Oldenburg in Gambia erwartet. Mit ihm sind neben zwei Anästhesisten aus Hamburg auch die Leitende Oberärztin Dr. Dr. Eva Gudewer aus der MKG-Klinik des Klinikums, der Dermatologe und ehemalige Klinikdirektor der Dermatologie im Klinikum Prof. Dr. Erhard Hölzle sowie die Intensivschwester Silvia Hölzle-Kind mitgereist. Alle zusammen möchten hier nur eines: Helfen!

In den Klinik des Arbeiter-Samariter-Bundes in Serrakunda stehen nun die Helfer aus Oldenburg und Hamburg bereit. Vor ihnen die erwartungsvolle Menschenmenge. Das Klinikpersonal hat im Vorfeld alles hervorragend vorbereitet. „Schon nach gut drei Stunden hatten wir bereits die OP-Planungen für die gesamte Woche gefüllt“, berichtete PD Dr. Lei Li. Neben Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten mussten zahlreiche Patienten mit Kopf-Hals Tumoren wie zum Beispiel Ohrspeicheldrüsentumor, Neurofibromatose und Tumore in der Mundhöhle sowie Menschen mit eingeschränkter Mundöffnung nach Kiefergelenksfrakturen oder Infektionen operiert werden. Täglich führte das Team parallel in vier Räumen Eingriffe durch. Insgesamt konnten dieses Mal 78 Menschen operativ versorgt werden. Noch am Abreisetag nahmen die Ärzte nachmittags noch eine Operation vor.

Hierbei ging es teilweise um Leben oder Tod. „Der Tumor war sehr schnell gewachsen und hatte bereits die gesamte Mundhöhle des Mädchens ausgefüllt“, erzählt der Kieferchirurg von einem 17jährigen Mädchen. „Es bestand die Gefahr, dass die Patientin in den nächsten Tagen erstickt.“ Das Ärzte-Team hat sofort geholfen und die Operation eingeleitet. „Es war eine sehr umfassende Operation, in der wir bei der Tumorentfernung den Unterkiefer fast komplett entfernen und in gleicher Sitzung wieder aufbauen mussten“, erklärt Dr. Dr. Lei Li, der nach dem siebenstündigen Eingriff erschöpft aber auch erleichtert war.

Möglich war eine solche komplexe Operation nur, weil auch das Personal vor Ort in den vergangenen zwölf Jahren im FACE-Projekt gut geschult worden war. „Einige Mitarbeiter der Klinik waren auch bei uns im Klinikum Oldenburg zur Weiterbildung. Nicht ohne Stolz und Freude“, erzählt Dr. Li. Das 17jährige Mädchen erholte sich schnell von der Operation. „Sie hat mit Tränen in den Augen ihre Freude mit uns geteilt. Das hat uns alle gerührt.“

Dennoch gab es auch dieses Mal emotionale Dämpfer. Nicht allen konnte geholfen werden. „Manchmal reicht das Equipment vor Ort für die notwendigen Operationen einfach nicht aus. Das macht uns traurig“, sagt Dr. Li, „andererseits wissen wir, dass wir einigen Menschen geholfen haben. Ich denke da zum Beispiel an das 17jährige Mädchen, das uns nach der Operation wieder voller Lebensfreude anlächelte.“ Der Einsatz war auch dieses Mal sehr anstrengend. Geschafft, aber zufrieden ist das Helfer-Team mit neuen Erfahrungen und neuen Eindrücken nach Deutschland zurückgekehrt. Eines ist sicher: Der 15. Einsatz in Gambia wird spätestens 2019 folgen.

Hintergrund zum FACE-Projekt
Das FACE-Projekt wird von PD Dr. Dr. Lei Li gemeinsam mit Dr. Dr. Joachim Siegert aus Gifhorn seit 2005 geleitet. Seit nunmehr zwölf Jahren fliegt Dr. Li mit einem kleinen Team mit maximal zehn Kolleginnen und Kollegen – Ärzte und Pflegende – aus verschiedenen Fachbereichen in den kleinsten Staat des afrikanischen Festlandes, um die lebenswichtigen Eingriffe durchzuführen. Im Face-Projekt geht es hauptsächlich um Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten. Ihre Familien sind nicht in der Lage eine Operation im Ausland zu finanzieren und in Gambia gibt es keine einheimischen Spezialisten, die diese Art der plastischen Chirurgie durchführen. Bis jetzt wurden fast 500 Operationen durchgeführt.
Die Einsätze werden ausschließlich über Spendengelder, auch viele private, finanziert. Der Rotary-Club Oldenburg-Ammerland unterstützt das Projekt von Anfang an und das Klinikum Oldenburg stellt jedes Mal Material sowie Medikamente kostenlos zur Verfügung. Im Jahr 2016 konnte der gesamte OP-Bereich
renoviert und neu ausgestattet werden.

Weitere Informationen und auch die Kontoverbindung für eine Spende finden sich unter:
https://www.asb-gambia.info/asb-klinik/