Kevin Quathamer auf der Pole-Position

Nachwuchstalent Kevin Quathamer wartet mit seinem Rennkart auf seine ersten offiziellen Rennen. Gut genug ist er dafür, nur am fehlenden Sponsor könnte es scheitern. (Foto: Jesco von Moorhausen)

Neuenburg. Große Augen machten die geladenen Fahrlehrer beim ADAC Experience Day im Sommer 2016 in Alhorn, als der 14jährige Kevin Quathamer in ein Auto stieg und ihnen zeigte, wie man richtig in Grenzsituationen mit einem Fahrzeug umgeht. Der Neuenburger ist aber auch kein gewöhnlicher Jugendlicher. Kevin ist erst seit drei Jahren Rennfahrer und hat 2017 ganz groß abgeräumt.

„Die Saison war wirklich der Hammer“, weiß Kevin Quathamer, der bei der Weser-Ems Meisterschaft den dritten Platz ergatterte und sich somit für die Norddeutschen Meisterschaften des ADAC-Kartslaloms in Seelow bei Berlin qualifizierte. „Das war sein erstes richtig großes Rennen“, erklärt Frank Quathamer, stolzer Vater von Kevin, der ihn kräftig in seinem Sport unterstützt. Mit Erfolg, denn Kevin erlangte den zweiten Platz.

Insgesamt an 18 Rennveranstaltungen nahm Kevin in dieser Saison teil. Zwölf von Ihnen konnte er gewinnen, denn Kevin ist schnell. Der mittlerweile 15jährige Schüler zeigt sich dennoch bescheiden. Sein Zimmer ist gefüllt mit Pokalen. Auf seinem Regal wurde bereits die zweite Reihe aufgemacht. Viel geht da nicht mehr rein. Und dabei legt Kevin in seiner Rennsportkarriere jetzt erst los.

Bereits mit vier Jahren saß er als Kind auf Elektro-Quads und gab kräftig Gas. Der Sprung in die Kartszene war da vorprogrammiert. „Nach ein paar Mal merkte ich schon, dass in Kevin mehr drin steckt, als ein gewöhnlicher Freizeitfahrer“, erinnert sich sein Vater, der sich um die technische Pflege der Karts kümmert. Und da kommt ganz schön was zusammen. In der Garage parken zwei Rennkarts. Ganz neue ist der 125 ccm großer Zwei-Takter mit 31 PS. Zum Vergleich: die großen Karts auf Kartbahnen haben gerade einmal sechseinhalb Pferdestärken. Mit dem Rennkart kann Kevin je nach Übersetzung bis zu 130 km/h Höchstgeschwindigkeit erreichen. Doch darauf komme es auf Rennkursen nicht vordergründig an. Die Beschleunigung des kleinen Flitzers ist daher brachial. In nur vier Sekunden brettert Kevin bereits mit 100 km/h über die Piste – das ist ein Wert, den man bei exklusiven Sportwagen vorfindet. Das erfordert natürlich Konzentration und viel Disziplin. „Mit einem Kart von der Kartbahn kann man sich sicherlich weh tun, bei einem Rennkart kann ein Fehler bereits sehr gefährlich werden“, weiß Kevins Vater, der sich um seinen Sohn aber keine Sorgen macht. Kevin sei bei der Sache und fokussiert, wenn er im Kart säße.

Sein größer Erfolg bisher: Stolz zeigt Kevin den Pokal für den zweiten Paltz bei der Norddeutschen Meisterschaft. (Foto: Jesco von Moorhausen)

Vom Sprung in die Rennkartszene träumt gerade die Fanilie Quathamer. Auch die Mutter ist ganz Feuer und Flamme und fiebert bei den Rennen mit. Der Rennstall Kraft Motorsport von Inhaber Kilian Kraft aus Zeven hat Kevin bereits einen Platz angeboten. Kilian Kraft ist selbst erfolgreicher Rennsportler. „Es scheitert allerdings am fehlenden Sponsor“, bedauert Kevin, denn Rennsport ist in dieser Klasse schon richtig teuer. So benötigt Kevin im Jahr rund 6.000 Euro, um bei den Rennkarts mitzumischen. Leider hat sich bis jetzt noch kein Sponsor gefunden, der Kevin diesen Traum erfüllen könnte.

„Der Rennkartsport ist unglaublich kostenintensiv“, weiß Frank Quathamer, der aus eigenen Mitteln nicht so viel Geld aufbringen kann. Im Slalombereich ginge es, auch wenn da im Jahr ebenso schnell Summen in vierstelliger Höhe investiert werden müssten. Zudem sind Rennkarts viel komplizierter aufgebaut. Die Chassis müssen speziell für jede Strecke ausgerichtet werden. Dieses geschehe bereits mit Einmessen per Laser. Auch die Telemetrie muss stimmen. Sie überwacht das Kart per GPS und zeichnet alle Bewegungen des Fahrers auf. „Die Rennkarts sind schon ein bisschen wie kleine Formel 1 Wagen“, vergleicht Frank Quathamer vorsichtig, der sich als Heizungsbauer erst einmal in die ganze Technik eines Karts einarbeiten musste. Ganz wichtig ist das Thema Reifen. Jene müssen passen und verschleißen schnell. Allein für Setup- und Testfahrten benötige man ein großes Budget. „Aus der privaten Tasche nicht möglich“, so Frank

Quathamer, der sich umfangreich erkundigt hat. Zukünftig sieht es für Kevin Quathamer, wenn er weiter auf der Erfolgsspur bleibt, leider finanziell düster aus. Es sei denn, es findet sich ein Sponsor. Bis dahin aber möchte Kevin so weit wie möglich kommen. Im nächsten Jahr startet die neue Saison – auch wieder mit den Norddeutschen Meisterschaften. Ebenso möchte er wieder einige große Rennveranstaltungen besuchen. Mittlerweile ist er per „Du“ mit bekannten Rennfahrern, die ihn sogar den Zugang in die Boxengasse gewähren. „Am liebsten verfolge ich die GT3-Serie“, sagt Kevin, der die Formel 1 dagegen eher langweilig findet. Der Tourenwagenrennsport aber hat es ihm angetan. Deswegen freut sich Kevin auch schon auf seinen 16. Geburtstag. Dann kann er nämlich im ADAC Slalom Youngster Cup mit einem richtigen Auto starten und vielleicht seinen Konkurrenten wie damals den Fahrlehrern davon fahren.