Konzertante Musik, die rockt – Malte Vief im Interview mit AQuadrat

Grenzen in der Musik gibt es für ihn nicht. Malte Vief mischt Klassik und Rock, bedient sich bei Heavy Metal und Konzertgitarre, nimmt sich das von der Musik, was ihm gefällt. Was heraus kommt ist neu, ungewöhnlich und genial: Heavy Classic. AQuadrat-Chefredakteur Jesco von Moorhausen sprach mit dem Gitarristen und Komponisten Malte Vief über den Traum von der Musik zu leben und bei Zuhörern Emotionen zu wecken.

 

JvM: Malte, Du bist ein viel beschäftigter Gitarrist. Wer auf Deiner Homepage den Terminkalender aufruft, sieht Konzerte bis 2020.

Malte Vief: Ich habe es aufgrund meiner Kinder schon reduziert. Jetzt komme ich in etwa auf 75 Konzerte im Jahr. Das war früher anders. Da wurde auch schon ´mal die 100 geknackt. Da war ich rund jedes zweite Wochenende komplett ausgebucht. Das wurde mir einfach zu viel. Vor allem wegen der Kinder, die von ihrem Papa auch was haben wollen.

JvM: Deine Musik „Heavy Classic“ ist recht speziell. Wo finden Deine Konzerte statt.

Malte Vief: Dadurch, dass ich stilistisch zwischen den Stühlen stehe, habe ich den großen Vorteil, dass für meine oder unsere Konzerte unterschiedlichste Bühnen und Zielgruppen in Frage kommen. Diese Musik kann in kleinen, dunklen Jazzclubs genauso wie in großen Kirchen oder Gitarrenfestivals gehört werden. Daher wechseln sich meine Spielorte ständig ab. Das ist ein großer Vorteil gegenüber Musikern, die sich ausschließlich für ein Genre entschieden haben.

JvM: War es immer schon Dein Traum von der Musik zu leben?

Malte Vief: Ich habe schon als Kind Musik gemacht. Natürlich träumt man schon davon irgendwann zu leben. Aber das war nicht vorrangig. Ich habe mich einfach für das Instrument Gitarre begeistert. Meine ersten Unterrichtsstunden hatte ich bei Heinrich Wedemeyer, einem Urgestein der Musikschule Wesermarsch. Die Begeisterung blieb und später habe ich in Bremen, Hamburg und Dresden das studiert. Nach zehnjähriger Unterrichtstätigkeit fing ich an, mich ausschließlich auf das Musikmachen zu konzentrieren.

JvM: Die Musik steht für Dich im Mittelpunkt. Kannst Du das noch genauer beschreiben?

Malte Vief: Es führt mich zu mir. Das erlebe ich als großes Geschenk. Für mich gibt es eigentlich keine gute oder schlechte Musik. Das ist in dieser Hinsicht nicht entscheidend. Die selbst ausgewählte Musik sollte im Idealfall die sein, die zu mir gehört, die mich berührt, erreicht und auflöst. Technisch und an der Virtuosität orientiertes Spiel beeindruckt mich. Im Sinne, Musik zu erleben und zu genießen, reicht mir diese Herangehensweise nicht. Im Konzert langweilt mich das dann nach 15 Minuten.

JvM: Du hast einen Musikstil erfunden, den es vorher so noch nicht gab.

Malte Vief: Klassisch-konzertante Musik stilübergreifend zu verstehen, ist keine neue Idee. Ich mache einfach so Musik wie sie mir gefällt; so, wie ich sie hören wollen würde. Das ist die Chance jedes Komponisten.

JvM: Was genau ist „Heavy Classic“?

Malte Vief: „HeavyClassic“ ist formal stilistisch konzertante Musik mit anderen Einflüssen wie rockartigen und folkloristischen Klängen, im Detail bestimmt auch noch viel mehr. Das kommt davon, wenn man klassische Gitarre lernt und eigentlich andere Musik hört (lacht).

JvM: Aber wie bist Du auf diese Idee gekommen?

Malte Vief: Es klingt ein bisschen pathetisch; aber diese Idee kam zu mir. Ich hatte irgendwann das Bedürfnis zu schreiben und es entstand eine Musik, ein Mischmasch aus allem, was mir gefällt. Ich wollte nicht von vorn herein einen Crossover aus Rock und Klassik kreieren. Ich habe meine Musik nach dem Entstehen beobachtet und dann gesehen, dass beides enthalten ist.
Darüber hinaus wollte ich als Kind eigentlich E-Gitarre lernen. Der Weg dorthin führte in den 90er Jahren an den Musikschulen meist noch über die Konzertgitarre. Ich fand klassische Musik früher anstrengend und hörte lieber Deep Purple und Beatles. Das änderte sich mit dem Lernen des Instruments. Ich höre heute zwar immer noch Rock, habe aber die E-Gitarre im Schrank gelassen. Ich habe mich schnell ganz auf die klassische Musik eingelassen, kam aber immer wieder auch zu meinen ursprünglichen Wurzeln zurück. Mit 18 fing ich intuitiv an zu komponieren.
Natürlich brauchte ich irgendwann auch einfach ein Etikett, um meine Musik zu benennen und sie zu vermarkten. „Heavy Classic“ schien mir da eine griffige Idee, eine griffige Marke zu sein.

JvM: Das hört sich so einfach an.

Malte Vief: War es aber nicht. Diesen Musikstil zu entwickeln dauert bis heute an. Es gab zahlreiche Dinge und auch Personen, die darauf Einfluss genommen haben. So brachte mich mein Dresdener Professor Thomas Fellow auf neue Ideen, vor allem im Bezug auf unkonventionelle Spieltechniken. Klassische Musik hat eine ganz besondere Tiefe, die es zwar auch in der Rockmusik gibt, aber eher selten ist. Das miteinander zu verbinden, hat mich fasziniert.

JvM: Steht Rockmusik der Klassik in dieser Hinsicht nach?“

Malte Vief: Ich möchte das nicht vergleichen. Beides hat seine eigenen Merkmale und Qualitäten. Vereinzelt findet man im Rock aber bestimmt eine reiche Vielschichtigkeit. Es gibt viele Rocksongs, die ich sehr mag, auch viele andere Genres. Mir gefällt viel.

JvM: Verfolgst Du die aktuellen Charts?

Malte Vief: Die verfolge ich mehr oder weniger nicht. Sicherlich höre ich über Radio hin und wieder einen aktuellen Song, doch separiere ich lieber meine Songlisten. Das soll nicht heißen, dass es momentan keine gute Musik gibt. Eigentlich fehlt mir die Zeit, mich damit zu beschäftigen.

JvM: Wie hörst Du Musik und worauf kommt es Dir dabei an?

Malte Vief: Ich achte nicht sonderlich auf Texte. Die Melodien, Harmonien, Rhythmus und die Komposition sind mir wichtiger.
Sicherlich gibt es da auch Ausnahmen. „Haus am See“ von Peter Fox ist textlich und auch melodisch toll. Dieser Song bringt mich zum Schmunzeln. Auch die Texte von Herbert Grönemeyer finde ich gut. Traurig macht mich Musik, die völlig kalkuliert und nur kommerziell angelegt ist .
Eigentlich leben wir aktuell in einer tollen Zeit, denn es gab noch nie so viel hochwertige Musik und Musiker wie jetzt. Es gibt da im Positiven eine unheimliche Freiheit.

JvM: Wieso eigentlich die Gitarre und nicht Geige oder Klarinette?

Malte Vief: Einerseits wurde ich bereits durch meine Mutter und meine Schwester geprägt, die beide Gitarre spielten. Andererseits würde mich ein Instrument, das nur eine Melodie spielen kann, nicht glücklich machen. Die Gitarre ist vielseitiger einsetzbar. Sie kann begleiten oder auch eine melodische Stimme spielen. Wie gesagt, wollte ich ja auch erst E-Gitarre lernen, habe aber gemerkt, dass der ursprüngliche Klang eines Instrumentes für mich passender ist. Der Sound einer E-Gitarre wird durch die Technik definiert. Eine akustische Gitarre hingegen ist viel reiner in ihrem Klang.

JvM: Unter uns Gitarristen, was ist denn derzeit Dein Lieblingsinstrument?

Malte Vief: Ganz klar die Bariton-Gitarre vom Zupfinstrumentenmachermeister Oliver Klapproth. Ich fange gerade an, dieses Instrument bei meinen Konzerten mit einzusetzen. Ansonsten spiele ich auch gerne die Siebensaitige. Ich habe seit drei Jahren auch noch eine Aliquotgitarre von Oliver Klapproth, doch die ist so schwer zu spielen, dass ich daran noch weiter üben möchte, um sie dann eindrucksvoll auf der Bühne zu präsentieren.

JvM: Du gibst und gehst gerne auf Livekonzerte. Was fasziniert Dich daran so sehr?

Malte Vief: Ich mag die Atmosphäre auf Konzerten. Ich bin unter Umständen auch gerne auf einem Konzert, das mir gar nicht so sehr gefällt. Eine besondere Stimmung kann trotzdem da sein. Es ist ein Erlebnis, was es so auf Platte nicht gibt.
Die hat wiederum andere Vorteile. Hier kann ich die Musik auf den Punkt bringen und ganz gezielt das damit ausdrücken, was ich möchte. Wenn mir ein Instrument oder eine weitere Stimme fehlt, dann spiele ich die mit ein. Die Möglichkeit zum Perfektionismus habe ich nur bei Platten.

JvM: Wie stehst Du denn zur digitalen Musikwelt?

Malte Vief: Ich kann die Klagen von Musikern nur bedingt nachvollziehen, die sich über das legale Herunterladen von Musik aufregen. Ich finde diese Möglichkeit toll, weil sie somit jedem Musiker die Chance gibt, seine Musik zu veröffentlichen. Sei es über Youtube oder sonstige Kanäle. Schade ist nur, dass bei CD und bei MP3 der Klangverlust recht hoch ist. Die alte Schallplatte, die aus diesem Grund wieder ein Comeback feiert, ist da deutlich besser. Dennoch surfe ich gerne bei Youtube und höre mir Musik von anderen Künstlern an.

JvM: Wie sieht es denn mit Deiner eigenen Musik und Veröffentlichungen aus?

Malte Vief: Das neue Album „Kammer“ wird demnächst fertig. Gitarre, Mandoline und Cello werden als Trio mit Matthias Hübner (Cello) und Jochen Roß (Mandoline) auftreten und zu hören sein. Ein neues Soloalbum wird es voraussichtlich nächstes Jahr von mir geben wie auch ein weiteres Album mit einem Cellisten zusammen.

Vielen Dank, Malte, für das Interview. Wer mehr über den Gitarristen Malte Vief und „Heavy Classic“ erfahren möchte, sollte auf der Internetseite www.heavyclassic.de vorbeischauen. Das neue Album kann über die folgende eMail-Adresse kontakt@heavyclassic.de bestellt werden.

 

Das Interview wurde von Chefredakteur Jesco von Moorhausen geführt.

Die Fotos sind von Christian Debus und urheberrechtlich geschützt.