„Melancholie ist für mich wichtig“ – San Glaser im Interview

San Glaser ist eine begnadete Sängerin mit einem bewegten Leben. (Foto: pr)

Ruhige Musik und fetzige Rhythmen gehen zusammen. Das beweist die Hamburger Jazz,- Soul,- und Pop-Sängerin San Glaser. Ihre Musik ist wie eine gute Praline, die im Vorbeigehen schmeckt, beim Genießen aber noch mehr verbirgt. Chefredakteur Jesco von Moorhausen sprach mit der außergewöhnlichen Musikerin San Glaser über ihr Leben, ihre Musik und die Einordnung als Geheimtipp in der Szene.

 

JvM: Wie hast Du Die Feiertage verlebt? Gut reingerutscht ins Jahr 2018?

San: Ich mag die Vorweihnachtszeit sehr gerne. Weihnachten wurde im kleinen, familiären Kreis verbracht und Silvester hatte ich einen Auftritt. Ganz gemütlich und besinnlich.

JvM: Was hast Du Dir für das neue Jahr vorgenommen? Gibt es eventuell ein neues Album oder eine Tournee?

San: Ich befinde mich gerade mitten in der Produktion meines neuen Albums. Im Frühjahr wird es erscheinen und es wird heissen: „The Great Grand Hotel“. Aufgenommen haben ich die Songs zusammen mit meiner Band im „Grand Hotel Heiligendamm“. Wir wurden von denen eingeladen, dort die Songs aufzunehmen. So waren wir eine Woche lang im Hotel und haben uns inspirieren lassen von der wunderbaren Atmosphäre.

JvM: Deine Musik mischt Jazz-, Soul- und Popelemente. Nicht ganz einfach, damit auch in den Charts erfolgreich zu sein. Wie ist Dir das dennoch gelungen?

San: Ich habe mir noch nie ein Konzept überlegt sondern wollte und will einfach ehrliche Songs schreiben, mich musikalisch und auch persönlich entwickeln, wachsen. Ich mag sowohl Komplexität als auch Eingängigkeit in der Musik. Für meine eigenen Songs habe ich mich bisher eher für eingängige Melodien und Harmonien entschieden. Ich finde es schön, wenn man einen Song gut ‚nebenbei‘ hören kann aber es beim näheren hinhören Tiefgang zu entdecken gibt. Es ist immer wieder eine interessante Herausforderung für mich, solche Songs zu schreiben.

Im Grand Hotel Heiligendamm wurde das neue Album aufgenommen. (Foto: Ali Ghandtschi)

JvM: Dein letztes Album „Beautiful Stranger“ fällt durch melancholische Texte auf. Gibt es dafür einen besonderen Grund?

San: Die Melancholie war und wird immer ein wichtiger Teil in meinem Leben sein, bei allem was ich tue, also auch in meiner Musik. Ich kenne es nicht anders, es gehört zu mir. Das kommende Album wird bisher mein Positivstes sein, stelle ich fest. Mir geht es gerade wirklich gut, das spiegelt sich auch in den Texten wieder (lacht).

JvM: Du selbst hast mit vier Jahren Blockflöte gelernt, später Orgel, spielst auch Saiteninstrumente. Wie wichtig ist es für Dich ein Musikinstrument zu spielen?

San: Es wird mir immer wichtiger, auch live auf der Bühne der Musik, den Songs und auch meinen Mitmusikern nah zu sein, intensiver kommunizieren zu können. Ich habe gemerkt, dass das besser geht, wenn ich nicht nur vorne stehe und singe, sondern auch am Klavier sitze. Mittlerweile spiele ich fifty-fifty der Songs an den Keyboards, die restlichen Songs stehe ich vorne. Ich bin froh, damit angefangen zu haben, es fühlt sich gut an und bietet mir musikalisch viele neue Möglichkeiten.

JvM: Dein Ehemann Arnd Geise spielt in der San Glaser Band Bass. Geht das immer gut, jemanden aus der Familie dabei zu haben? Oder ist es sogar motivierend und inspirierend?

San: Mit Arnd zu arbeiten ist immer motivierend und inspirierend. Und es ist toll, die Liebe und Leidenschaft für die Musik mit seinem Partner teilen zu können und sich gegenseitig unterstützen zu können, wenn es auch mal nicht so gut läuft. Arnd spielte schon zwei Jahre in meiner Band, bevor wir ein Paar wurden. Mit Arnd, Leo Lazar an den Drums und Johannes Wennrich an der Gitarre habe ich eine wahnsinnig gute Band auf die ich sehr stolz bin!

Auf der Bühne fühlt sich San Glaser am Wohlsten. (Foto: pr)

JvM: Deinen Vater, Maurits Hitijahubessy, ein indonesischer Jazzmusiker und Gitarrist, hast Du erst mit 15 Jahren kennengelernt. Inwieweit hat er Dich und Deine Musik geprägt?

San: Ich weiss natürlich nicht, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn wir uns nicht begegnet wären aber er hat definitiv eine wichtige Rolle gespielt bei meinem beruflichen Werdegang. Er glaubte an mein Talent, im Gegensatz zu mir und organisierte schon früh Auftritte für mich, bei denen er mich dann auf der Gitarre begleitete. Ich wollte natürlich, dass er stolz auf mich ist und ihn vor allem nicht enttäuschen. Mit seiner Liebe, besonders zu Jazz Musik, hat er mich von der ersten Sekunde an angesteckt. Ab da wollte ich alles über Jazz wissen und entdecken.

JvM: Magst Du Vergleiche, denn auf meiner Playlist vermischen sich gerne San Glaser-Songs mit denen von Norah Jones.

San: Ich habe nichts gegen Vergleiche und mag Norah Jones Musik sehr gerne. Alles gut, also. Und es ehrt mich, mit tollen Künstlern zusammen in Playlisten vorzukommen (schmunzelt).

JvM: Gibt oder gab es denn Vorbilder für Dich? Oder bestimmte Künstler, Menschen, Angehörige, die Dich in Deiner musikalischen Entwicklung beeinflusst haben?

San: Mein Vater, meine Mutter, meine Familie, die ersten Musiklehrer und eine lange Liste von unglaublich tollen Künstlern, die mich inspirieren. Da ist alles dabei: von Abba über Miles bis
Zappa.

JvM: Deine Musik ist vor allem über Internet erfolgreich. Bei iTunes stehst Du ganz oben in den Charts. Dennoch wirst Du immer wieder als Geheimtipp gehandelt. Wie kannst Du Dir das erklären?

San: Geheimtipp zu sein klingt irgendwie ganz schön, ein bisschen so wie Überraschungsgast. Ich kann mir das nicht erklären. Ich glaube an guten Songs und möchte gute Songs schreiben. Ob die dann einen Hit werden, hängt von vielen Faktoren ab. Ein gemachter Hit ist nicht automatisch ein guter Song, und andersrum ist ein guter Song nicht immer ein Hit. Und Popstars werden meistens zu solchen gemacht mit Hilfe intensiven Marketings, und durch Glück und Zufall.

San Glaser ist eine Vollblutmusikerin, die mit nachdenklichen Texten punktet. (Foto: Ali Ghandtschi)

JvM: Was hältst Du von der aktuellen populären Musik, die sich in den Charts präsentiert?

San: Dafür müsste ich mir die Charts anschauen, bzw. anhören. Ich muss gestehen, dass das schon etwas zurück liegt. Vielleicht weil mir irgendwann das Innovative und die Vielfalt in den Charts fehlte. Es gibt einige talentierte, neue Künstler, klar. Aber eben auch sehr viel Einheitsbrei. Das langweilt auf Dauer.

JvM: Was hört eigentlich San Glaser, wenn sie nicht selbst musiziert?

San: Gerne darf es auch mal still sein. Ich höre meinem Hund liebendgern beim schnarchen zu. Die letzten zwei Tage habe ich The Eagles gehört auf Vinyl und Paul Simon und Simon & Garfunkel auf CD. Im Auto höre ich gerne Deutschlandradio Kultur und lass mich von denen überraschen.

JvM: Du bist die Tochter holländisch-indonesischer Eltern, wurdest in den Niederlanden geboren und lebst in Hamburg. Was fasziniert Dich an der Hansestadt?

San: Hamburg fühlt sich mittlerweile wie eine richtige Heimat an. Hamburg ist schön, grün, wasserreich, es gibt viele gemütliche Cafés. Ich lebe gerne hier und bin mittlerweile auch immer ein bisschen stolz, wenn ich Touristen staunend an der Alster fotografieren sehe. Sie kommen extra angereist und ich wohne hier (lacht).

JvM: Gibt es einen Traum, einen Wunsch, den Du Dir noch nicht erfüllt hast, ihn aber gerne in nächster Zeit angehen würdest?

San: Ich kann es kaum erwarten, mein nächstes Album fertig zu bekommen und wünsche mir, dass es ganz viele Leute hören und lieben werden. Ich starte demnächst meine erste Crowdfunding Kampagne. Wir freuen uns über zahlreiche Unterstützer!

JvM: Und wie sieht es mit den guten Vorsätzen für das Jahr 2018 aus? Gibt es welche?

San: Weniger Zucker, mehr Sport. Ganz sicher. Ab morgen.

Vielen Dank, San, für das Interview. Wer mehr über San Glaser erfahren möchte, sollte auf der Internetseite www.sanglaser.com vorbeischauen. Hier stehen auch die aktuellen Tourdaten.

Fotos:
Arnd Geise
Jens Butz
Ali Ghandtschi