Staatsanwaltschaft Oldenburg erhebt Anklage gegen den ehemaligen Krankenpfleger Niels H. wegen 97 Fällen des Mordes

Oldenburg. In den Verfahren zu den Krankenhausmorden in Delmenhorst und Oldenburg hat die Staatsanwaltschaft Oldenburg erneut Anklage gegen den ehemaligen Krankenpfleger Niels H. zum Landgericht Oldenburg erhoben. Als Ergebnis der umfangreichen Ermittlungen der Soko Kardio und nach Abschluss der letzten toxikologischen Untersuchungen werden Niels H. nun weitere 97 Mordfälle zur Last gelegt. Davon entfallen auf seine Tätigkeit in Delmenhorst 62 Taten und auf seine Beschäftigungszeit in Oldenburg 35 Taten.

Dem Angeschuldigten wird vorgeworfen, seinen Opfern verschiedene, jeweils nicht indizierte Medikamente, namentlich Kalium, Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin), Sotalex (Wirkstoff Sotalol), Xylocain (Wirkstoff Lidocain) und Cordarex (Wirkstoff Amiodaron) verabreicht zu haben. Dies tat er, um seine Fähigkeiten im Bereich der Reanimation gegenüber Kollegen und Vorgesetzten präsentieren zu können und um seine Langeweile zu bekämpfen. Es soll ihm bewusst gewesen sein, dass diese Medikamente bei den Patienten lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen bis hin zum Kammerflimmern sowie Blutdruckabfall auslösen können. Auch soll von ihm beabsichtigt gewesen sein, dass die Patienten durch seine Medikamentengabe reanimationspflichtig werden würden. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft nahm der Angeschuldigte Niels H. dabei in allen Fällen das Versterben der Patienten aufgrund der Wirkungen der Medikamente zumindest billigend in Kauf.

In drei Fällen, die zunächst ebenfalls noch als Verdachtsfälle geführt worden waren, konnte anhand der toxikologischen Untersuchung ein Tatnachweis nicht mit der für die Anklageerhebung erforderlichen Sicherheit geführt werden. Insoweit konnte nicht ausgeschlossen werden, dass die bei den Exhumierungen gefundenen Medikamentenrückstände im Rahmen der gebotenen ärztlichen Behandlung verabreicht worden waren.

Für weitere sechs Taten ist der ehemalige Krankenpfleger Niels H. in zwei Prozessen in den Jahren 2006/2008 und 2014/2015 bereits rechtskräftig verurteilt worden. Derzeit verbüßt er eine lebenslange Haftstrafe.
Die Ermittlungen gegen die Verantwortlichen des Klinikums Oldenburg dauern noch an.