Weltraumforschung: Universität kooperiert mit internationalem Netzwerk

Schnappschuss mit Meteor: Eigentlich wollte ESA-Ingenieur Neil Melville in Schweden ein Video von Polarlichtern drehen, als plötzlich ein sehr heller Meteor im Bild auftauchte. (Foto: ESA, N. Melville CC BY-NC-SA 2.0)

Oldenburg. Zugang zu einem weltweiten Datennetzwerk: Die Universität Oldenburg hat einen Kooperationsvertrag mit der Organisation zur Umsetzung des Vertrages über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO) geschlossen. Im Fokus der Zusammenarbeit liegen natürliche Explosionen in der Atmosphäre, die durch Einschläge großer Meteoroide, sogenannter Feuerkugeln, hervorgerufen wurden. Ein internationales Forscherteam um den Oldenburger Strahlenphysiker Prof. Dr. Björn Poppe wertet in Zusammenarbeit mit der Europäischen Raumfahrtagentur ESA Daten über den Eintritt von Meteoroiden in die Erdatmosphäre aus, um diese Extremereignisse künftig genauer vorhersagen zu können. Durch die Kooperation mit der CTBTO bekommen sie nun Zugang zu einem weltweiten Netzwerk, das diese Daten kontinuierlich erhebt.

Die CTBTO soll eines Tages die Einhaltung des Kernwaffenstopp-Vertrags der Vereinten Nationen überwachen. Dieser 1996 geschlossene Vertrag, der nukleare Tests weltweit verbietet, ist zwar noch nicht in Kraft, doch das entsprechende Überwachungssystem befindet sich bereits im Aufbau. Das CTBTO-Zentrum in Wien erhält nahezu in Echtzeit Daten über starke Explosionen in der Atmosphäre aus einem Netzwerk seismischer, hydroakustischer, sowie Infraschall- und Radionuklid-Messstationen – letztgenannte können chemische von nuklearen Explosionen unterscheiden. Obwohl die CTBTO-Stationen in erster Linie dazu dienen, unerwünschte nukleare Aktivitäten zu erfassen, detektieren sie auch natürliche Explosionen in der Atmosphäre. So haben sie seit 2010 gleich mehrere Feuerkugel-Einschläge in die Erdatmosphäre aufgezeichnet – darunter auch der „Tscheljabinsk-Asteroid“, der im Februar 2013 rund 1.500 Menschen im Ural verletzte. Diese Daten stellt die CTBTO künftig den Oldenburger Forschern zur Verfügung. An der Universität entsteht seit einigen Monaten in Zusammenarbeit mit der ESA eine Einrichtung zur europaweiten Klassifizierung und Bewertung von Feuerkugeleinschlägen.

„Wir freuen uns sehr, die Methodik der CTBTO künftig in unser Portfolio integrieren zu können. Bisher standen uns in erster Linie Teleskope, Kameras und Satellitendetektoren zur Verfügung. Nun können wir die Genauigkeit unserer Vorhersagen sehr wahrscheinlich signifikant erhöhen“, sagt der langjährige ESA-Mitarbeiter und international renommierte Asteroidenforscher Dr. Gerhard Drolshagen, der als Mitglied der Oldenburger Arbeitsgruppe Strahlenphysik und Weltraumumgebung das Projekt wissenschaftlich leitet.