Wie funktioniert eine offene Beziehung – eine Oldenburgerin klärt auf

Auch in einer offenen Beziehung müssen klare Regeln herrschen. (Foto: pr)

Oldenburg. „Es ist doch schade, wenn man einen Typen attraktiv findet und den ziehen lassen muss, weil man schon vergeben ist“, meint Sarina (Namen geändert), die mit ihrem Mann eine ganz besondere Lösung für dieses Problem gefunden hat – eine offene Beziehung. Die 37jährige Oldenburgerin und ihr Mann fahren damit gut und leben ihre sexuellen Wünsche voll aus. Dass das nicht für jeden etwas ist, kann sich Sarina gut vorstellen. Doch für sie ist es ein Stück Freiheit.

In einer offenen Beziehung kann dennoch nicht jeder machen was er will. „Klare Regeln sind wichtig“, erklärt Sarina, die äußerlich wie eine ganz normale Frau wirkt. Nicht sonderlich aufgedonnert, keine extrem knappe Kleidung oder dergleichen aufreizende Utensilien. Die zweifache Mutter ist eine lebenslustige Frau mit geheimen Verlangen. Wenn sie jemanden kennenlernt und mit ihm intim wird, muss sie es danach ihrem Mann erzählen. Gleiches gilt auch für ihn. So sind die Regeln. „Im Vorfeld es anzukündigen ist etwas seltsam für uns“, erzählt sie weiter. Lieber erfahren beide danach von dem Seitensprung. „Dadurch umgehen wir in unserer Ehe den Hauptgrund, warum sich Beziehungen trennen“, weiß Sarina, denn in einer offenen Beziehung gebe es eigentlich keinen Betrug.

Freundschaft Plus und Hausfreund

Sarina liebt Sex in vielen Ausrichtungen. Sie habe bereits viel ausprobiert, aber nicht alles hat ihr gefallen. Sie und ihr Mann haben so genannte „Freundschaften Plus“ und auch einen Hausfreund. Beim Hausfreund gehe es aber nur um den reinen Sex. „Er kommt uns hin und wieder besuchen und wir haben dann einen Dreier“, berichtet Sarina freizügig. Bei der „Freundschaft Plus“ ist es etwas anders. Zum Sex kommt eben auch eine Freundschaft hinzu. Es gibt gemeinsame Unternehmungen und hin und wieder eben auch Intimitäten. „Manche sexuelle Praktiken mache ich nur mit meinem Mann, andere dann lieber mit jemand anderem“, gibt die Oldenburgerin zu. So wäre anal das Ding zwischen ihr und ihrem Ehemann. Mit anderen könne sie sich das nicht so gut vorstellen.

Klischees immer noch vorrangig

„Ausprobiert habe ich schon fast alles, aber vieles brauche ich nicht wieder“, erzählt Sarina, die zum Beispiel mit der BDSM-Szene nichts anfangen kann. „Wenn mir einer auf den Po haut, bin ich weg“, erklärt sie, die beim Sex die dominante Position einnimmt. Schläge oder Fesseln ist für sie eher abregend. „Aber jeder wie er eben mag“, sagt sie, die sich auch zu Frauen körperlich hingezogen fühlt. Ihre Freunde und Familie wissen von den Vorlieben nichts. Natürlich käme so etwas auch mal zur Sprache. Dann müsse sie immer schmunzeln, welche Vorurteile bei den Menschen doch vorherrschen. „Demnach reiße ich mir jedes Wochenende einen anderen Kerl auf und vernasche den“, lacht Sarina und stellt deutlich klar, dass es so absolut nicht ist. Aber sie möchte auch nicht die Aufgabe der Aufklärerin übernehmen. „Jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden“, meint Sarina, die eben in der Lage ist, Sex und Liebe voneinander zu trennen. Und Liebe ist für sie überaus wichtig. Ihren Mann würde sie für nichts in der Welt hergeben. Seit 13 Jahren sind sie bereits glücklich verheiratet. Kennengelernt haben sich beide in einem Swingerclub. Auch das ist eine Leidenschaft beider, die sich hier ebenso die Freiheit lassen, auch alleine einen Club zu besuchen. Gemeinsam verabreden sie sich hier auch mit gleichgesinnten Paaren.

Leider gebe es in Bezug auf Swingerclubs ebenso viele Vorurteile, bedauert Sarina. Sie seien schmutzig, siffig und alte, dicke Männer mit Leopardenstring laufen geiernd durch die Gänge. „In meiner ganzen Zeit habe ich das noch nie erlebt“, lacht Sarina, die die ungezwungene Atmosphäre in einem Swingerclub sehr schätzt. Jeder wisse, warum er hier ist, aber keiner drängt darauf. „In einer normalen Disco geht es viel stressiger zu“, vergleicht sie. Hier wird gebaggert was das Zeug hält. Im Swingerclub sei es entspannter. Insbesondere Herrenüberschussparties sind bei Sarina beliebt. „Da geben sich die Männer viel Mühe zu gefallen und nerven nicht herum.“ Sex mit mehreren Männern gibt es für Sarina dann auch – oder einen Partnertausch. Schrecklich hingegen findet sie Paare, die sich erst mit einem verabreden, aber dann nicht bereit sind, den Partner zu tauschen. „Dann kann ich mir mit meinem Ehemann zu Hause auch einen Porno anschauen und Sex haben“, meint die 37jährige Oldenburgerin, die im Modell der offenen Beziehung eine Erfüllung gefunden hat. Jenes können zwar die wenigsten nachvollziehen, aber auch oft nur deshalb, weil sich Klischees in den Köpfen festgesetzt haben. Wer sich damit genauer auseinander setzt, bekäme ein ganz anderes Bild davon. Auch wenn es für einen persönlich dann immer noch nichts ist, gebe es aber einen neuen Blickwinkel auf das Thema und eventuell mehr Verständnis.